DRK

Zeit den Helfern zu helfen!

Helfer brauchen Hilfe –
Leserbrief des Kollegiums des DRK-Rettungsdienstes Quedlinburg und Halberstadt

In diesem Jahr ist es wieder soweit. In einem Rhythmus von vier bis sechs Jahren müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen im Landkreis Harz tätigen Hilfsorganisationen, die den medizinischen Rettungsdienst absichern, um ihren Arbeitsplatz bangen. Denn in diesem Zeitraum werden die verschiedenen Standorte, von wo aus mit Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeug zu Notfällen ausgerückt wird, zur Neubesetzung ausgeschrieben.
Seit nun mehr 28 Jahren werden die Bereiche Quedlinburg und Halberstadt vom Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes abgedeckt. Beide Standorte arbeiten seither gut zusammen und unterstützen sich in vielerlei Hinsicht, sei es bei der Ausbildung von Lehrlingen oder auch dem Abfangen von krankheitsbedingten Ausfällen. In dieser Zeit gab es keinerlei Kritik an unserer Arbeit sowie der der anderen Hilfsorganisationen. Im Gegenteil: Das DRK hat in den letzten Jahren enorm in seine insgesamt 67 Mitarbeiter investiert. Verschiedene neue Einsatzfahrzeuge sowie modernstes Material zur Aus- und Weiterbildung wurden angeschafft. Den größten Punkt stellt allerdings die kurz vor ihrer Fertigstellung stehende Rettungswache auf dem Gelände des DRK Quedlinburg. Wir hoffen, sowohl diese als auch die vor wenigen Jahren renovierte Rettungswache Halberstadt noch lange zum Wohle und Schutz unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger besetzen zu dürfen.
Der Kreistag hat bei seiner kommenden Entscheidung zur Vergabe der einzelnen Bereiche am 15. August sehr viele Punkte zu berücksichtigen. Bei beiden zur Diskussion stehenden Standorten, handelt es sich um staatlich anerkannte Lehrrettungswachen, das bedeutet diese sind Ausbildungsbetriebe, in denen zur Zeit zwölf Auszubildende befähigt werden den Beruf der Notfallsanitäterin bzw. des Notfallsanitäters auszuüben, von denen wiederum die Ersten in den kommenden Wochen mit dem Bestehen ihrer staatlichen Prüfung in den vollen Einsatzdienst übernommen werden. Der Nachwuchs unserer Reihen ist damit weitgehend gesichert. Sollte sich der Anbieter des hiesigen Rettungsdienstes ändern, ist eine Übernahme der Lehrlinge, die sich im Laufe ihrer dreijährigen Berufsausbildung befinden aus unserer Sicht fraglich. Diese müssten sich an neue Kollegen, Gegebenheiten, Rettungsschulen und Arbeitsweisen gewöhnen, was unserer Meinung nach den Lernerfolg stark schmälern würde.
Aber auch für die bereits ausgebildeten Kollegen wäre ein Anbieterwechsel mit unangenehmen Konsequenzen verbunden. Viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind schon Jahrzehnte lang bei uns im Dienst und haben sich folglich eine Existenz aufgebaut, sowohl beruflich als auch familiär. Man hört nicht selten bei Anstellung in neue Unternehmen von Einkommenseinbußen und Nichtanerkennung von Berufsjahren und somit eine Mindereingruppierung in Lohntabellen. Eine Katastrophe für jede Familie, die hier eindeutig vermeidbar ist.
Sollten unsere Kollegen gezwungen sein berufsbedingt in andere Regionen und Landkreise pendeln zu müssen, wäre dies auch ein enormer Schlag für den ehrenamtlichen Bereich in dem sich sowohl das DRK als auch unsere Mitarbeiter sehr stark engagieren. Ca. 75 % unseres Kollegiums sind in ihrer Freizeit ehrenamtlich tätig, sei es bei der Freiwilligen Feuerwehr, dem Sanitätsdienst und Katastrophenschutz, der Bergwacht, der Wasserwacht, der Notfallseelsorge oder der Ausbildung im Bereich Erste Hilfe, die das DRK für Schulen, Betriebe und Führerscheinbewerber anbietet. All diese Bereiche wären direkt von einem Wegfall des Rettungsdienstes betroffen.
Außerdem muss erwähnt werden, dass es im Landkreis Harz bisher eine faire Verteilung der einzelnen Rettungsdienstbereiche gibt. Der Großteil der Rettungswachen wird vom Eigenbetrieb Rettungsdienst des Landkreises besetzt. DRK und Malteser Hilfsdienst dürfen jeweils drei Wachen ihr Eigen nennen. Das System wird mit einer weiteren Wache des Arbeiter-Samariter-Bundes komplettiert. Aus unserer Sicht gibt es keinerlei Gründe, ein lange bestehendes und gut funktionierendes System auseinander zu reißen, denn der Wegfall eines Anbieters hat auch Folgen auf die Mitbewerber. Die bisherige Vielfalt im Rettungswesen unserer Region hat auch zur Folge, dass alle miteinander wetteifern und den anderen in Qualität, Ausstattung, Technik sowie Ausbildung übertrumpfen möchten. Eine geringere Zahl an Leistungserbringern bedeutet also eine Wettbewerbs- und damit Entwicklungsverlangsamung.

Das Kollegium des DRK-Rettungsdienstes hofft sehr auf eine positive Entscheidung unseres Kreistages, damit wir auch künftig für die Sicherheit unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger sorgen können.

Wenn Sie als Leserin oder Leser das DRK direkt unterstützen möchten, helfen sie uns mit Ihrer Unterschrift bei unserer kürzlich gestarteten Online-Petition unter https://www.openpetition.de/erhalt-des-drk-rettungsdienstes-quedlinburg-und-halberstadt

Wir möchten uns recht herzlich für Ihre Unterstützung bedanken!

Florian Kuppermann
Rettungsassistent des DRK Quedlinburg